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Vom Dia zum Digitalbild - mein Workflow beim Scannen

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Vom Dia zum Digitalbild - mein Workflow beim Scannen

von Hartmut Schlichter

Das Fazit vorweg: Dias zu scannen ist eine Kunst für sich. Zugegeben: es ist auch ohne teures Equipment und mit vertretbarem zeitlichen Aufwand möglich, vorzeigbare Scans zu erzeugen, die fürs digitale Familienalbum taugen. Aber wenn man den Anspruch erhebt, mit dem Scan möglichst nah am (guten) Dia zu sein, kommt man nicht umhin, sich ausführlich mit der Materie auseinanderzusetzen. Aber der Reihe nach.

In vermutlich vielen Fotografen-Haushalten schlummern Tausende von Dias aus Zeiten, als die Welt noch analog war, und führen dort ein kümmerliches Schattendasein (im wahrsten Sinnen des Wortes). Darunter sind sicher auch einige Juwele, denn Fotografieren konnte man auch schon, als es noch keine 40-Millionen-Pixel-Boliden gab.

In meinen Beständen befinden sich etwa 16000 Dias. Darunter sind viele, die eine Digitalisierung nicht lohnen, aber eben doch auch eine ganze Menge solcher, die ich gelegentlich noch mit meinem guten alten Rolleivision Twin MSC herzeige. Dabei liegt die Betonung auf gelegentlich. Denn die digitale Technik hat schon unstrittige Vorteile. Die Qualität moderner Beamer ist mit der eines gut projizierten Dias vergleichbar, das Bild eines Beamers ist i.d.R. heller und leuchtender. Mit einem Beamer und geeigneter Software kann man heute Bilderarrangements (AV-Shows) produzieren, für die man früher mindestens 6 Diaprojektoren benötigt hätte (dabei habe ich keine ausgeflippten Spezialeffekte im Auge, sondern ruhige Bildüberblendungen mit Titeleinblendungen u.dgl.).

So reifte im Laufe der letzten zwei, drei Jahre der Entschluss, Teile meines Dia-Archivs zu digitalisieren. Einzelne Versuche hatte ich bereits vor vielen Jahren mit einem preiswerten Flachbettscanner unternommen, aber wie eingangs erwähnt, waren die Ergebnisse zwar verwendbar, aber nicht wirklich überzeugend. Nun sind auch die Flachbettscanner in den letzten Jahren technisch besser geworden, aber Filmscannern können sie in puncto Qualität nicht das Wasser reichen.

Der Markt der Filmscanner ist in den letzten 10 Jahren allerdings sehr überschaubar geworden. Als Referenz unter den Filmscannern gelten nach wie vor die Coolscans der Firma Nikon. Da diese leider nicht mehr produziert werden, findet man heute die absurde Situation vor, dass Altgeräte auf ebay oft ein Mehrfaches des ehemaligen Neupreises erzielen. Glücklich kann sich schätzen, wer einen Nikon Super Coolscan 5000 sein eigen nennen darf.

Nach ausführlicher Recherche (eine gute Quelle hierfür ist die Seite http://www.scandig.eu) habe ich mich für einen Reflecta ProScan 7200 entschieden. Er stellt, was die Qualität der Scans anbelangt, nach den Nikon-Scannern die erste Wahl dar und ist zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Ein Nachteil dieses Scanners ist allerdings, dass er keinen automatischen Einzug, sondern lediglich einen Halter für 4 gerahmte Kleinbild-Dias besitzt. Das Scannen größerer Mengen Dias ist also eine echte Herausforderung.

Zum Scannen gehört nicht nur ein guter Scanner, sondern auch eine Software, die die Möglichkeiten der Hardware ausreizen und zudem gut bedienbar sein sollte. Zum Lieferumfang des ProScan 7200 gehört CyberView, was für den Anfang sicher reicht, weitergehenden Ansprüchen aber nicht genügt. Das Angebot an Software für Scanner ist ebenso überschaubar wie der an Hardware. Eigentlich kommen nur zwei Programme in Betracht: SilverFast und VueScan. SilverFast schied für mich aufgrund seinen hohen Preises und seiner rigiden Lizensierungspolitik schnell aus. So entschied ich mich für die Pro-Version von VueScan (http://www.hamrick.com), und ich bin bis heute mit meiner Wahl sehr zufrieden. Für ca. € 80,- bekommt man eine leistungsfähige, gut bedienbare Software mit lebenslanger Update-Garantie und einem kundenfreundlichen Service.

Kommen wir nun zu den Details. Anfangs verwendete ich einen unkalibrierten Scanner. Da ich die Fotos nach dem Scannen sowieso in Lightroom bearbeite, so dachte ich mir, kann ich einen eventuell beim Scannen entstandenen Farbstich dort leicht korrigieren. Das ist zwar prinzipiell richtig, bedeutet aber einen zusätzlichen Arbeitsaufwand und ist in manchen Fällen nur mit Klimmzügen zu erreichen.

In meiner "Karriere" als Diafotograf verwendete ich im Wesentlichen nur drei verschiedene Filmtypen. Mein Standardfilm für Landschafts- und Reisefotografie war der Kodak EliteChrome, entweder in der normalen oder der farbintensiven Version (Extra Color). Für ausgewählte Zwecke griff ich auf den Fuji Velvia zurück, der unter Landschaftsfotografen als Referenz galt. Und gelegentlich verwendete ich den Fuji Sensia. Alle drei Filme haben ihre Stärken und Schwächen, auf die ich hier nicht näher eingehen will.

Beim Scannen der Kodak-Filme mit dem unkalibrierten Scanner trat bei vielen Fotos vor allem in den dunklen Bildpartien ein deutlicher Braun- bzw. Rotstich auf, der sich in Lightroom nur mit Aufwand beheben ließ. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein unkalibrierter Scanner (ebenso, wie ein unkalibrierter Monitor) keine "natürlichen" Farben erzeugen kann. So besorgte ich mir bei Wolf Faust (http://www.targets.coloraid.de) ein sog. IT8-Target. Dabei handelt es sich um ein Dia, welches ein standardisiertes Arrangement von Farbfeldern enthält. Mit diesem IT8-Target wurde der Scanner kalibriert - und ab sofort gehörten die Farbstiche der Vergangenheit an. Der Effekt war wirklich verblüffend und in einer Intensität, wie ich es nicht vermutet hätte.

Anm.: Strenggenommen – so die Lehrmeinung - ist für jeden Filmtyp ein eigenes IT8-Target erforderlich. Daran kann ich ehrlich gesagt nicht so recht glauben, sieht man einmal vom Sonderfall der Kodachrome-Filme, die Silber enthalten, ab. Jeder Film hat seine Eigenheiten, so ist der Fuji Velvia z.B. für seine stark gesättigten Blau- und Grüntöne bekannt. Aber genau diese Eigenheiten des Films sind ja auf jedem Dia verewigt. Und wenn dieses farbgetreu gescannt wird, sollte doch alles in Ordnung sein. Ich benötige also ein farbgetreues Target, damit der Scanner weiß, welche Farbe er in welchem Feld sehen soll. Dabei ist es egal, auf welchem Filmmaterial das Target aufgenommen wurde. Es kann natürlich sein, dass ein bestimmter Film eine ganz bestimmte Farbe nicht „richtig“ darstellen kann, aber dann gehört das eben zu den Eigenheiten des Films. Man kann das Ganze noch auf die Spitze treiben: eigentlich müsste man sich zeitgleich zu jeder Filmcharge ein passendes Target zulegen, um die Alterung des Filmmaterials zu berücksichtigen. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, wenn ich falsch liegen sollte.

Bei meinen anfänglichen Scan-Versuchen waren das Handbuch zu VueScan und das informative eBook The VueScan Bible von Sascha Steinhoff sehr hilfreich. Es war nun noch eine wichtige Entscheidung zu fällen. In den beiden genannten Dokumenten wird immer wieder dringend empfohlen, mit sog. RAW-Scans zu arbeiten. Dabei werden die Roh-Daten des Scanners in einem 64-Bit-RGBI (48 Bit RGB-Informationen und 16 Bit des Infrarot-Kanals für die Staub- und Kratzerentfernung) abgelegt. Diese Rohdaten können später erneut in VueScan eingelesen und weiterbearbeitet werden.

Mit RAW-Scans zu arbeiten, ist sicher die beste Methode, aber ich wollte nicht jedes Foto zweimal in VueScan „anfassen“ müssen. So entschied ich mich für Scans in 48-Bit-RGB-Dateien. 48 Bit sollten es schon sein, um den bestmöglichen Dynamikumfang aus den Bildern herauszuholen.

Nun zu den wichtigsten Einstellungen in VueScan:

  • Scan-Auflösung: 3600 dpi
  • Zuschnitt: maximal; die automatische Zuschnitt-Funktion arbeitet in den meisten Fällen sehr zuverlässig, aber eben nicht in allen
  • Zuschnitt, Puffer: 10%; diese Einstellung bewirkt, dass der schwarze Rand um das eigentliche Foto nicht in die Bemessung der Belichtung eingeht
  • Infrarot-Reinigung: mittel; vor dem Scannen sollten die Dias mit einem Blasebalg von grobem Staub befreit werden
  • Korn reduzieren: mittel
  • Schärfen
  • Farbbalance: neutral; diese Einstellung bewirkt, dass der Weiß- und der Schwarzpunkt des Fotos so verschoben werden, dass der maximale Dynamikumfang des Fotos genutzt werden; die relativen RGB-Anteile bleiben davon unberührt; keinesfalls sollte man die Einstellung Weißabgleich verwenden, denn dafür hat man den Scanner ja schließlich kalibriert
  • Alle Scans werden im Verzeichnis Bilder/VueScan/Scans abgelegt
  • Automatische Dateibenennung nach dem Muster Scan-xxx-yyy+.tif; xxx steht dabei für die Magazin-Nummer und yyy für die Bild-Nummer, beides mit führenden Nullen; das + bewirkt, dass die Bild-Nummern automatisch inkrementiert werden

Vor dem eigentlichen Scan führe ich für jedes Foto ein Preview durch, damit eine optimale Belichtung garantiert ist (die Option Belichtung halten macht nur für Bilderserien Sinn, die schon bei der Aufnahme identisch belichtet wurden). Leider gibt es in VueScan (noch) keine Möglichkeit, Preview und Scan in einem Rutsch durchzuführen. Ich habe diese Verbesserung bei Ed Hamrick, dem Hersteller von VueScan, angeregt und hoffe, dass sie irgendwann realisiert wird.

Ich habe es mir angewöhnt, immer dann, wenn ich sowieso am Computer sitze, nebenbei ein paar Scans durchzuführen. Dafür ist ein Programm wie z.B. AutoHotKey sehr hilfreich. Um nämlich für den Start eines Previews oder Scans nicht immer zu VueScan wechseln zu müssen, habe ich mir für Preview und Scan zwei HotKeys (Strg+F11, Strg+F12) erzeugt, die das automatisch erledigen. In VueScan gibt es eine Einstellung, die das Ende eines Previews oder Scans durch einen Beep-Ton anzeigt. Dann muss ich einfach nur den Dia-Halter im Scanner weiterschieben und mit Strg+F11 bzw. Strg+F12 den Scan starten.

Wenn ein Magazin vollständig gescannt ist, befinden sich alle Fotos fein säuberlich nummeriert in o.g. Verzeichnis. Jede TIFF-Datei hat eine Größe von ca. 105 Mbyte. Nun öffne ich alle Fotos in Photoshop Elements und beschneide und drehe sie ggf. Die Beschneidung könnte ich später zwar auch in Lightroom durchführen, aber die beschnittenen Fotos haben eine Größe von nur noch ca. 91 Mbyte, und den wirklich überflüssigen Ballast muss man ja nicht ewig mitschleppen. Die beschnittenen Fotos verschiebe ich nun in ein Verzeichnis auf meinem Archiv-Laufwerk, damit das Scan-Verzeichnis frei für das nächste Magazin ist.

Der letzte Schritt besteht in der Optimierung der Fotos in Lightroom. Nach dem Import der TIFF-Dateien wandle ich diese zunächst in das DNG-Format um. Letzteres enthält exakt die gleichen Bildinformationen wie das TIFF-Format, hat aber den Vorteil einer weiteren Reduzierung der Dateigröße auf 64…74 Mbyte. Leider bietet Lightroom keine Möglichkeit, die Fotos sofort beim Import zu konvertieren, da nur RAW-Formate aus Digitalkameras akzeptiert werden. Deshalb muss man am Schluss die überflüssig gewordenen TIFF-Dateien löschen. Die weitere Optimierung der Fotos in Lightroom ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, mit einem kalibrierten Scanner hält sie sich allerdings in Grenzen.

Zum Schluss ein Bild zur Illustration. Das Foto wurde im Jahr 2000 auf Kodak EliteChrome 100 Extra Color aufgenommen und mit einem (kalibrierten) Reflecta ProScan 7200 digitalisiert, ansonsten aber nicht weiter bearbeitet.

Delicate Arch, Arches National Park, Utah, USA

Delicate Arch, Arches National Park, Utah, USA

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 21. Mai 2014 um 09:16 Uhr

 
Kommentare (4)
4Dienstag, den 21. April 2015 um 18:36 Uhr
Katthage
Hallo miteinander,

ich stand lange vor demselben Problem - großer Bestand an Farbdias, Farb- und SW-Negativen unterschiedlicher Qualtät, die ältesten aus Mitte 50er Jahre. Mit "Farbtreue" war da nicht mehr viel zu erreichen. Nach langem suchen bin ich auf folgende Lösung gekommen:

Scanner ProScan 7200 (wirklich ein super Gerät). Software: Silverfast 8, Silverfast 8 HDR, Photoshop CS2, ColorNeg.

Scan als RAW-Scan mit Silverfast 8, je nach Dia oder Negativ 3000 bis 3600 dpi, als Positiv (auch wenn's Negativ-Film ist) mit Gamma 1, und natürlich mit Infrarot-Kanal. Dazu muß man beim scannen nichts mehr einstellen , nichts beobachten usw., sondern nur (leider) jeweils ein Feld weiter schieben. Das Ergebnis sieht in der Regel grässlich aus, die Bilder werden in einer Datei, entsprechend bezeichnet usw., abgespeichert.

Dann (irgendwann später) erfolgt der zweite Durchgang mit Silverfast 8 HDR: Dabei wird nur der Infrarotkanal ausgewertet, d.h. die Bilder werden gereinigt und repariert und in einer neuen Datei als Kopie abgelegt (so bleibt die ursprüngliche Datei immer erhalten). Das läuft automatisch ab, muss also nicht weiter beobachtet werden. Diese Datei ist dann die Basis für die weitere Bearbeitung in Photoshop. Dazu steht zunächst (bei richtiger Installation) unter den Filtern ColorNeg zur Verfügung. Das funktioniert insbesondere bei der Umwandlung von Colornegativen sehr gut. Den Rest macht man dann manuell, bei alten Filmen mit "kippenden" Farbstichen (braune Schatten, grüne Lichter u.ä.) ein besonderes Vergnügen. Andererseits bin ich immer wieder erstaunt, wie frisch und weitgehend unverfälscht die Farben von 50 Jahre alten Anscochrome und Agfacolordias sind.
3Mittwoch, den 14. Januar 2015 um 22:20 Uhr
Schlichter, Hartmut
Hallo,
ich habe gerade noch mal die Ergebnisse der beiden Methoden (Vorschau in geringer/voller Auflösung, Scan in voller Auflösung) verglichen und festgestellt, dass sie sich geringfügig unterscheiden (farbliche Nuancen). Wäre schön, wenn Sie diese Beobachtung verifizieren resp. falsifizieren könnten.

Mit besten Grüßen
QuiverTree
2Mittwoch, den 14. Januar 2015 um 22:06 Uhr
Schlichter, Hartmut
Hallo Herr Rezucha,
vielen Dank für Ihren Hinweis auf diese verblüffend einfache Lösung, es funktioniert. Vielleicht spendiert der Entwickler von VueScan ja irgendwann noch die optimale Ein-Tasten-Lösung ;-)

Mit besten Grüßen
QuiverTree
Hallo!
Ich verwende VueScan 9.4.59 mit einem Nikon Coolscan LS-4000. Wenn ich da für die Vorschau die maximale Auflösung des Scanners einstelle, die Vorschau mache und danach auf Scannen gehe, wird das Bild nicht mehr eingescannt, sondern direkt aus der Vorschau gespeichert. Kommt deiner Forderung eigentlich recht nahe.

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